Die Deutschen und ihre Autos

Während beispielsweise Franzosen eine eher pragmatische Beziehung zu ihren Autos haben, lieben die Deutschen ihr Auto heiß und innig. Nicht nur die VW Bullis mit den aufgemalten Blumen, die eine ganze Generation an den „Summer of love“ erinnerte und zum Symbol einer Epoche aufstieg, sondern auch das Auto in der Garage. Das Auto bringt uns zur Arbeit, in den langersehnten Urlaub oder mitten in der Nacht zurück nach Hause. Es sorgt dafür, dass wir Wasserkisten nicht kilometerweit schleppen müssen, sondern es genügt, sie vom Einkaufswagen in den Kofferraum zu hieven. Außerdem sorgen Autos dafür, dass auch Menschen, die in ländlichen Gebieten wohnen, mobil sein können und nicht auf die teils miserable Anbindung mit Zug oder Bus angewiesen sind. Soweit zumindest die Theorie.

Bequem und schnell mit dem Auto zur Arbeit?

Ein Auto ist auch heute noch für viele Menschen ein Symbol für Freiheit. Übers Wochenende spontan in die Berge, nach Italien oder Dänemark ist je nach Wohnort mit einem Auto durchaus machbar. Was das Auto so attraktiv macht, ist aber auch, dass man es einfach vollpacken und ins Blaue fahren kann, ohne sich vorher zu überlegen, wo genau man eigentlich hinmöchte.

Doch in den letzten Jahren hat der Nimbus des Autos als Garant für Mobilität deutlich gelitten. Das hängt auch damit zusammen, dass die Menschen in Ballungsgebieten mit dem Auto täglich im Stau stehen. Nicht nur an Stellen, an denen es Unfälle gegeben hat oder es Baustellen gibt, sondern jeden Morgen und Abend, wenn die Leute während der Rush-Hour in ihr Auto steigen und zur Arbeit oder nach Hause fahren wollen.

Schon seit Langem wird vor dem Verkehrsinfarkt in deutschen Großstädten gewarnt. Diese Warnung wird in der Regel mit Zahlen unterfüttert, in denen berechnet wird, wie lange die Deutschen pro Jahr im Stau stehen und wie hoch der dadurch entstandene wirtschaftliche Schaden ist. Natürlich kann man sich rein auf die Produktivitätsausfälle konzentrieren, denn in der Zeit, in der jemand im Stau steht, kann er in aller Regel nicht arbeiten. Aber es ist auch verschwendete Zeit, in denen die Menschen sich nicht mit Freunden treffen oder Zeit mit ihrer Familie verbringen können.

Alternative U-Bahn?

Es gibt Länder, die einen ausgezeichneten öffentlichen Nahverkehr haben, mit dem man schnell, unkompliziert und bequem an sein Ziel kommt. In den meisten deutschen Großstädten existiert auch ein engmaschiges Netz an Bus-, U- und S-Bahn-Linien, so dass man theoretisch rasch von A nach B kommt. Wären da nicht Verspätungen und Zugausfälle, wegen technischer Probleme, wie Weichen- oder Fahrzeugstörungen. Teilweise sind es auch Menschen, die eine Abkürzung über die Gleise nehmen und dadurch für Verzögerungen sorgen. Trotzdem fahren tausende Menschen tagtäglich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit und nach Hause. Teilweise weil sie kein Auto haben oder es bequemer finden, teilweise auch aus Überzeugung. Und während die Autofahrer über die anderen Autofahrer, mit denen sie im Stau stehen, schimpfen, kann es in der S-Bahn durchaus passieren, dass man einen alten Freund trifft, dem man eigentlich schon seit einer Ewigkeit mal wieder schreiben wollte.

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